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Kathie Starks, Branch Manager und Head of Asset Servicing bei der Bank of New York Mellon, führt Teams von Anfang an mit dem festen Glauben an Erfolg. Denn Erfolg beginnt auch für sie im Kopf und prägt von dort Sprache und Handeln des Alltags. Ein viraler Glaube an Erfolg, der das ganze Team beflügelt.

Kathie Starks und ich sitzen im »Gallo Nero«, einem italienischen Restaurant in der Nähe der Alten Oper. Das Lokal ist nicht allzu groß und sehr geschmackvoll eingerichtet. An den Wänden in gedecktem Rot hängen goldgerahmte Spiegel und schöne Gemälde. Die Tisch- decken sind farblich auf die Wände abgestimmt, und es brennen Kerzen auf den Tischen. Aufmerksame Kellner umsorgen uns. Kathie hat sich gerade einen Steinbutt schmecken lassen, und ich hatte so ziemlich die beste Dorade ever. Wir trinken den leckeren Weißwein weiter, den wir zum Fisch bestellt hatten, und ich freue mich total, dass sie bereit ist, mir für dieses Buch ein paar Fragen zu beantworten.

Kathie ist Branch Manager und Head of Asset Servicing bei BNY Mellon, einer globalen Bank. Ich kenne sie jetzt schon eine Weile und mir ist aufgefallen, dass sie auf eine besondere Art und Weise an große Ziele herangeht. Man könnte es im positiven Sinne »unbekümmert« nennen. Kathie wirkt relaxed, entspannt und zuversichtlich, selbst wenn ihre Ziele mega-anspruchsvoll sind. Mich interessiert, woran das liegt. Gibt es bei ihr eine besondere Prägung, die dafür sorgt, dass sie stets an ihren Erfolg glaubt?

»Also, ich wurde ein bisschen anders erzogen als viele«, erklärt Kathie. »Und das, obwohl meine Kindheit in den 1960er-Jahren war.« Größtenteils waren es damals noch autoritäre Zeiten, in denen sich erst langsam etwas in Richtung mehr Offenheit und Selbstverwirklichung bewegte. Was genau haben ihre Eltern damals schon anders gemacht? »Insbesondere mein Vater hat mir immer vermittelt, dass ich alles machen kann, was ich möchte. Selbst wenn andere sagten, dass es nur für Jungs war. Unsere Eltern haben uns Mädchen sogar Spielzeugautos gekauft. Und wir durften Jeans tragen, genauso wie die Jungs. Wir mussten uns nicht in Kleider zwängen wie alle anderen Mädchen damals.« Kathies Eltern ließen sie also ihren eigenen Weg gehen, und wenn sie etwas wollte, dann war es schon in Ordnung? »Ja, wir wurden so ein bisschen antizyklisch erzogen. Mein Vater hat allerdings immer die Erwartung gehabt, dass wir alle Ärzte oder Rechtsanwälte werden. Das ist jetzt nicht so gekommen. Aber was ich aus meinem Elternhaus mitgenommen habe, ist die Einstellung, dass alles passieren kann, wenn ich es will und wirklich daran glaube, dass es passieren wird.«

“Ich wusste, dass es gut werden würde. Deshalb brauchte ich auch nicht Tag und Nacht zu arbeiten, damit es funktionierte.”

Einen besseren Glaubenssatz kann man von seinen Eltern kaum mitbekommen, wenn es darum geht, erfolgreich zu sein und große Ziele zu erreichen. Ich frage Kathie, wie sich das bei ihr heute im Business auswirkt. »Ich fing in der neuen Firma an und war vom ersten Tag an überzeugt, dass wir erfolgreich sein würden«, sagt sie. »Ich wusste, dass die vier Jahre zuvor kein besonderer Erfolg gewesen waren und viele Mitarbeiter deswegen frustriert waren. Aber dem schenkte ich überhaupt keine Aufmerksamkeit. Ich denke, das ist wie ein Virus. Der Glaube an den Erfolg ist ansteckend. Bald fingen die ersten Kollegen an, so zu denken und zu reden wie ich. Nach ein paar Wochen war es dann bei allen so. Alle haben von da an geglaubt, dass wir erfolgreich sein werden.« Lag das allein an Kathies Art, mit den Menschen zu sprechen, oder gab es da noch etwas anderes? »Ich denke, an meinen Worten lag es sogar am wenigsten. Ich kam in einen Raum und wusste, es wird gut. Wir werden Erfolg haben. Ich habe anscheinend ausgestrahlt, was für mich eine Selbstverständlichkeit war. Deshalb zweifelte niemand daran. Ich hatte übrigens auch gar keinen Plan B, weil ich ja wusste, dass sowieso alles klappen würde. Da hatte ich, sagen wir mal, eine extreme Gelassenheit, fast schon ein bisschen eine Fuck-you-Einstellung, aber im positiven Sinn. Nämlich, dass ich mich auf gar keinen Fall unter Druck setzen lasse. Ich wusste, dass es gut werden würde. Deshalb brauchte ich auch nicht Tag und Nacht zu arbeiten, damit es funktionierte.«

Das macht für mich absolut Sinn. Kathie zieht ihr Ding durch, auch wenn es Kritiker gibt – die es aber immer gibt. Sie ist da resilient. Das hat für mich viel mit mentaler Stärke zu tun. Eine Eigenschaft, die im klassischen Change-Management noch nicht unbedingt als einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren galt. Mich interessiert, wie Kathie dranbleibt. Und wie sie mit Widerständen umgeht. Kathie überlegt kurz, dann sagt sie: »Wenn ich mit meiner Einstellung in ein neues Unternehmen komme, und das ist jetzt schon das fünfte oder sechste Mal, dann läuft es immer ähnlich. Ich sage: Wir machen das, es klappt und es wird gut. 

Kathie Starks und René Esteban (Autor von “Do Epic Stuff!“) im Restaurant Gallo Nero, Frankfurt a.M.

Innerhalb kurzer Zeit sind ein paar Leute mit dabei. Die schnappe ich mir. Wir definieren dann zusammen die ersten strategischen Themen. Wir überlegen uns, welche Aktivitäten wir für unsere strategischen Ziele brauchen. Und dann ist das wie bei einem Staubsauger: Wir saugen die restlichen Leute auf. Erst sind es zwei, dann drei, vier, fünf, sechs, und am Ende habe ich ein hoch motiviertes Team. Manchmal höre ich über die Ersten, die mitziehen, das seien keine guten Performer, die müsse ich austauschen. Solche Stimmen sind mir egal. Ich lebe dafür zu schauen, wie Menschen sich entwickeln. Meine Coaching- und Teamcoaching-Ausbildungen helfen mir dabei.«

Beeindruckend. Ich möchte gerne noch von Kathie wissen, ob sie nie an sich selbst zweifelt. »Doch«, platzt es aus ihr heraus. »Ich leide am Impostor-Syndrom.« Kathie lacht. »Ich wundere mich in jedem neuen Job, warum sie ausgerechnet mich eingestellt haben.« Ernsthaft? Ich bin total perplex. Auch wenn hier sicher Selbstironie im Spiel ist: Wie kommt das, und wie geht Kathie damit um? »Es ist nur ganz am Anfang so, und vielleicht ist es auch typisch für Frauen«, erklärt Kathie. »Wenn Frauen sich bewerben, dann wollen sie 80 Prozent von dem können, was in der neuen Position verlangt wird. Ich kann 30, maximal 40 Prozent, wenn ich mich irgendwo bewerbe. Deshalb halte ich mich erst mal für eine Fehlbesetzung. Wenn ich dann aber einmal im Job drin bin und merke, dass die Menschen wohlwollend sind und mich unterstützen, dann vergesse ich das schnell. Ich zweifele ja nicht grundsätzlich an mir. Und ich halte mich nie an die Kritiker, sondern immer an die Befürworter. Die gibt es überall. Du darfst einfach nicht denken: Der oder die ist bestimmt gegen mich, die sind alle scharf auf meinen Job. Solches Konkurrenzdenken aufzugeben hilft schon sehr.«

“Reibung im Team ist normal – und wir begrüßen das. Kreativität & Innovation gibt es nur, wenn Konflikte positiv gesehen werden.”

Und wenn echte Schwierigkeiten auftreten? »Eine Freundin aus der Schweiz, die auch bei einer Bank ist, in einer sehr hohen Position, hat mir einmal geraten, niemals etwas ›schwierig‹ zu nennen«, erzählt Kathie. »Das klingt nämlich, als ob ich es nicht könnte. Besser ist, es challenging zu nennen. Denn ich kann das auf jeden Fall. Klar habe ich auch einmal Momente, in denen ich kurz unsicher bin, ob das mit einem bestimmten Team, einer Firma, ihren Produkten überhaupt etwas werden kann. Da gehe ich dann humorvoll heran, um meine Stimmung wieder zu heben. Einmal stand ich im strömenden Regen an der Bahnhaltestelle und sah einen Regenbogen über unserem Bürogebäude. Ich habe ein Foto davon gemacht, es mit dem Hashtag #signsfromthegods versehen und dann in einer Präsentation verwendet.« Was für eine schöne Anekdote! Das klingt für mich, als ob Kathie Emotionen wichtig seien. Und danach, dass sie gern spielerisch nach Bestätigung sucht, auf dem richtigen Weg zu sein, statt sich mit ihren Zweifeln zu beschäftigen. »Es soll jetzt bloß nicht so rüberkommen, als ob wir nie Konflikte hätten«, hakt Kathie noch einmal ein. »Wir haben viel Reibung im Team – und wir begrüßen das! Kreativität und Innovation gibt es nur, wenn Konflikte als etwas Positives gesehen werden.« Das macht Sinn. Was ist Kathie sonst noch wichtig?

»Sprache«, verrät sie. »Ich verwende eine sehr positive Sprache. Ich versuche auch, ausschließlich positiv über andere Menschen zu sprechen. Wir haben bei uns im Team beispielsweise eine Regel: Wenn wir Besuch aus anderen Ländern haben, gerade Senior- Leute aus der Bank, dann finden wir immer etwas Positives, das wir vor allen Anwesenden über ein Teammitglied sagen. Das muss natürlich authentisch sein, sonst braucht man so etwas nicht zu machen. Dadurch entsteht ein tolles Wir-Gefühl. Ein anderes Beispiel sind bestimmte Worte, die ich im Team immer wieder verwende. Ich nenne uns etwa bewusst ›Team Germany‹. Deutschland war für den Konzern einige Jahre lang ein Problemfall. So, das ist vorbei. Jetzt sind wir ganz selbstbewusst ›Team Germany‹. Das Erfolgsteam. Worte wirken.«

 

Über das Buch

Das Interview ist ein Textauszug aus dem Buch „DO EPIC STUFF! – Führung nach dem Ende des Change-Management“,  erschienen bei Campus Verlag. Fokussierungsexperte René Esteban erklärt zusammen mit Top-Gestaltern der heutigen Unternehmenswelt, wie man gemeinsam große Ziele erreicht. Mehr über das Buch erfahren und direkt bestellen.

Über den Autor

René Esteban ist Gründer und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens FocusFirst GmbH. Mit seinem Team unterstützt er Führungskräfte im globalen Konzernumfeld, ihre herausforderndsten Ziele zu erreichen – und gleichzeitig die Unternehmenskultur hin zu mehr Empathie und Menschlichkeit zu entwickeln.

 

Verantwortlich für den inhalt dieser Seite

FocusFirst GmbH
René Esteban
Founder, CEO

www.focus-first.de